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und hier noch einmal der Text als Kopie (ohne das Layout der Autorin):

Reden kann helfen!

 

„Emma, dieser Junge tut dir nicht gut! Ich bitte dich, halte dich fern von ihm.“, fleht meine Mutter. „Du kennst ihn doch überhaupt nicht. Woher willst du bitte wissen, was mir gut tut und was nicht.“, gebe ich zurück. „Piercings, Tattoos, die schwarzen Klamotten, diese depressiven Jugendlichen sind kein guter Umgang für dich. Ich will nicht, dass du abrutscht!“, erwidert meine Mum. Abrutschen? Ich? Ich bin doch schon längst ganz unten angekommen, aber das sieht sie natürlich nicht. „Du lässt dich von scheiß Vorurteilen leiten! Nur weil Zack Tattoos hat und schwarze Klamotten trägt ist er noch lange kein depressiver Suizid gefährdeter Typ! Du weißt einfach gar nichts.“, schreie ich. Zack ist alles andere als depressiv, er ist der einzige mit dem ich mich lebendig fühle. Nach dem Tod meiner Zwillingsschwester war ich komplett fertig, Psychisch komplett am Arsch und in keinster Weise belastbar. Ein falsches Wort und ich bin zusammen gebrochen, ich war das reinste Häufchen Elend. Erst als ich Zack kennen gelernt habe, ging es mir besser. Er bringt mich zum Lachen und in seiner Gegenwart fühle ich mich freier. „Woher soll ich auch etwas wissen? Du redest nicht mit mir!“, schreit sie zurück. So enden alle unsere Auseinandersetzungen, aber sie versteht einfach nicht, dass ich nicht mit ihr reden kann. Sie ist für den Tod meiner Schwester verantwortlich, ich kann ihr ja nicht mal richtig in die Augen schauen. Ohne ein weiteres Wort renne ich aus der Küche in mein Zimmer und schmeiße die Tür hinter mir zu. Ich weiß sie wird mir nicht folgen und ich bin so froh darüber. Frustriert werfe ich mich auf mein Bett und ziehe mein Handy heraus.
„Emma, was gibt’s?“, geht Zack fast sofort ans Handy. „Kannst du mich abholen?“, frage ich. Ich will hier einfach nur noch raus, ich halte es keine Sekunde länger aus. „Bist du zu Hause?“ – „Ja.“ – „Ich bin in 10Minuten da.“ Damit legt er auf. In der Zeit die ich warte, packe ich ein paar Dinge in meinen Rucksack. Um einer weiteren Begegnung mit meiner Mutter aus dem Weg zu gehen, klettere ich aus dem Fenster und warte unten an der Straße auf Zack. Noch einen Streit mit ihr würde ich nicht verkraften.

„Hey.“, begrüßt mich Zack und dreht die Musik in seinem Auto leiser. „Hi, nicht, lass sie ruhig so laut.“, halte ich ihn ab. „Okay.“, antwortet er und fährt los. Eine Weile hören wir schweigend der Musik zu, sie ist sehr laut, aber das beruhigt mich und lässt mich runter kommen. Erst an der Ampel, kurz bevor wir bei Zack sind, drehe ich die Musik schließlich doch leiser. „Meine Mutter will, dass ich mich von dir fern halte. Sie denkt du seist nicht gut für mich.“, teile ich ihm mit. „Bist du darüber verwundert?“, fragt er. „Nein eigentlich nicht. Meine Mutter ist derart von Vorurteilen geleitet. Wie kann das brave, strenggläubig erzogene Mädchen nur mit einem Rockstar zusammen sein.“, antworte ich grinsend. „Also brav würde ich dich nicht nennen.“, lacht Zack und parkt vor dem Gebäude in dem er mit drei Freunden wohnt. „Ich habe wirklich versucht, den Schein zu erwecken. Hat wohl nicht funktioniert.“, überlege ich und steige aus. „Buchstäblich!“, lacht Zack und folgt mir. „Buchstäblich? Wo hast du denn das Wort ausgegraben?“, frage ich. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Wort schon mal irgendwann gehört habe. „Weiß nicht, ich wollte das Wort einfach mal benutzen.“, lacht Zack und zieht mich an sich. „Du bist manchmal echt sonderbar.“, gebe ich zurück. „Ich weiß. Und genau aus diesem Grund liebst du mich.“, antwortet er lächelnd. Gemeinsam laufen wir hoch in die WG, wo wir direkt von Devil, dem besten Freund von Zack, begrüßt werden. „Emma, mein Herzblatt, ich hoffe du hast Hunger!“ „Wenn du gekocht hast, immer.“, antworte ich und folge ihm in die Küche, wo Nate und Nolan bereits auf uns warten. Ich liebe die WG von Zack mega, es ist immer etwas los und die Leute die hier wohnen sind richtig cool drauf. Mit Devil und Nolan spielt Zack in einer Band und Nathan kennt er einfach schon richtig lang.

„Habt ihr Ionen-Verbindungen? Eh… nein…sorry! Wartet! Ich meine…ehm… Salz?“, fragt John plötzlich. Ich erschrecke mich fürchterlich, als er hinter mir auftaucht. Er ist wie aus dem Nichts gekommen, ich habe ihn wirklich nicht rein kommen gehört. „Klar haben wir Salz für unser kleines Genie. Steht in der Küche, bedien dich.“, lacht Devil. „Emma Atmen nicht vergessen.“, lacht Zack, der bemerkt hat, dass ich mich richtig erschreckt habe. „Vergess ich schon nicht.“, gebe ich zurück. Währenddessen setzt John sich auf den leeren Platz neben Nate und bedient sich von dessen Teller. „Finger weg!“, ruft Nate aus und richtet sein Messer auf John. Total unbeeindruckt isst John weiter. Solche Aktionen sind für die Jungs eigentlich total normal, ich bin trotzdem immer wieder aufs Neue verwundert. Die restliche Zeit unterhalten wir uns weiter über alles Mögliche. John murmelt immer wieder irgendwelche Fachinformationen vor sich her, aber das ignorieren wir einfach. An sich ist es eigentlich ein ganz normales Essen in der WG.  „Zack und Emma sind mit Abspülen dran.“, ruft Devil gerade als wir alle aufstehen. „Na meinetwegen.“, murrt Zack. Schnell machen wir uns dran den Tisch abzuräumen und alles in die Küche zu bringen.

„Ich kann nicht mehr. Meine Mum und ich schreien uns nur noch an und fetzen uns die ganze Zeit. Das macht mich einfach übelst fertig und ich habe da einfach keine Lust mehr drauf.“, sage ich sofort als wir alleine sind. Das Essen hat mich zwar abgelenkt, aber die Probleme mit meiner Mutter kann ich nie lange verdrängen. „Oh nein. Vielleicht würde es euch helfen, wenn ihr euch zusammen setzt und darüber sprecht, wie ihr euch mit der ganzen Situation fühlt.“, sagt er vorsichtig und nimmt mich in den Arm. Ich schlinge meinerseits die Arme um seine Taille. „Wie soll ich bitte mit ihr darüber reden, wenn sie für die ganze Situation verantwortlich ist?“, antworte ich leise. „Na ja, sieh es mal so, sie weiß auch, dass sie Schuld ist. Und ich meine du hast deine Zwillingsschwester verloren, aber deine Mutter hat ihre Tochter verloren. Für euch beide ist es nicht leicht.“, sagt Zack, er klingt ein bisschen so als sei er aus einem Psychologie Handbuch gesprungen. „Ich weiß nicht.“, gestehe ich und löse mich von ihm, um mich dem Geschirr zu widmen. Ich habe selber schon darüber nachgedacht, dass es für meine Mutter nicht leicht sein kann. Aber das ändert trotzdem nichts daran, ich bin unglaublich wütend. „Denk einfach drüber nach.“, murmelt Zack und stellt sich hinter mich. Sanft streicht er mein Haar aus dem Nacken und beginnt ihn dann zu küssen. Das Geschirr vergesse ich sofort wieder. Langsam lasse ich meinen Kopf gegen seine Schulter sinken und schließe die Augen.
Und dann werde ich direkt das zweite Mal an diesem Tag von John erschreckt. Er kommt in die Küche gerannt, reißt einen Schrank auf und nimmt etwas heraus. Vor Schreck lasse ich das Glas aus meiner Hand ins Spülwasser fallen, sodass das Wasser in alle Richtungen spritzt und ich total nass werde. Fluchend beobachte ich was John treibt. Er hat eine Tüte M&M’s in der Hand und greift beherzt rein. Anstatt die Dinger jedoch zu essen, schmeißt er sie in die Luft und beobachtet wie sie auf den Boden fallen. „Entropie.“, flüstert er dabei immer und immer wieder. „Heb die aber gleich wieder auf, ja?!“, lacht Zack nur. Als er mich dann sieht muss er noch mehr lachen. Ich weiß nicht genau warum, aber er klärt mich sofort auf: „Dir ist der Schock ins Gesicht geschrieben.“ „Verdammt was ist denn los mit John?“, frage ich. „Unser verpeiltes Genie ist gerade mitten in seiner Lernphase. So gesehen lebt er momentan in seiner eigenen kleinen Chemiewelt und macht Dinge die auf normale Menschen sonderbar erscheinen, aber für ihn elementar sind.“, erklärt Zack lachend.

 

+++

Am nächsten Morgen wache ich noch vor Zack auf. Ich könnte einfach liegen bleiben, aber ich habe Durst. Also stehe ich auf und gehe in die Küche.
„Na.“, begrüßt Devil mich. Er steht in Shirt und Boxershorts vor dem Wasserkocher. „Hey.“, lächle ich und nehme mir eine Flasche Wasser. „Möchtest du auch einen Tee?“, fragt er dann. „Ja gerne.“, antworte ich. Entspannt lehne ich mich gegen die Arbeitsfläche und unterhalte mich mit Devil.

„Ach hier bist du.“, murmelt Zack. Devil und ich drehen uns gleichzeitig in Richtung Tür um, wo Zack steht. Er sieht einfach mega süß aus wie er da so verpennt in der Tür steht. Seine Haare hängen unordentlich in sein Gesicht, nicht so gestylt wie sonst, auch seine blauen Augen (ich liebe die Farbe einfach) leuchten nicht. Ganz offensichtlich ist er sofort aufgestanden, als er bemerkt hat, dass ich nicht mehr da bin, noch bevor er richtig wach geworden ist. Automatisch wandert mein Blick weiter zu seinen Lippen und dem Piercing. Ich könnte einfach zu ihm gehen und ihn wachküssen. Allein der Gedanke, lässt mich das kalte Metall des Piercings spüren. Die Tatsache, dass er nur Boxershorts trägt, lenkt mich aber schnell von dem Piercing ab. Ein paar Sekunden starre ich auf seinen durchtrainierten tätowierten Körper, bis Zack mich aus meinem Schmachten reißt: „Wenn dir gefällt was du da siehst, komm doch zurück ins Bett.“ „Guten Morgen.“, grinse ich ihn daraufhin breit an und übergehe seinen Kommentar.
„Wieso seid ihr schon wach?“, fragt Zack und kommt weiter in die Küche. „Senile Bettflucht.“, antwortet Devil lachend. Irgendwo im Flur geht eine Tür auf und jemand kommt durch den Flur in unsere Richtung gelaufen. Als dann Nathan in der Küche steht, würde ich mir am liebsten die Hände vor die Augen schlagen. Er hat einfach nichts an und steht in seiner vollen Nacktheit in der Tür. Devil hält mir schnell von hinten die Augen zu, als hätte er meine Gedanken gelesen. Aber es ist schon zu spät! Ich habe bereits mehr gesehen, als ich sehen wollte. „Schönen guten Morgen.“, trällert Nate, scheinbar hat er ziemlich gute Laune. „Zieh dir was an!“, sagt Zack nur. Ich kann seinen Gesichtsausdruck nicht sehen, aber er hört sich nicht sonderlich erfreut an. „Entspann dich. Oder hast du Angst, dass Emma mich jetzt wählt, wo sie gesehen hat, was sie verpasst.“, lacht Nate. „Mach lieber was er sagt, es sei denn du hängst nicht sonderlich an deiner Männlichkeit.“, lacht Devil. „Emma wie stehst du denn dazu?“, lacht Nate, er ist heute scheinbar wieder richtig witzig drauf. „Zieh dir was an. Ansonsten war es mir eine Ehre dich gekannt zu haben. Ich glaube Zack zögert nicht dich umzubringen.“, lache ich. „Ach Mensch. Oh hi Süße.“, sagt Nate dann. „Was?“, frage ich verwundert. „Nathans Betthäschen ist aufgetaucht.“, teilt Devil mir mit. „Kann jemand Zack die Augen zu halten?“, lache ich. „Sie trägt ein Shirt. Keine Sorge.“, antwortet Zack. „Komm Tascha, wir sind hier nicht erwünscht.“, sagt Nate und ich höre wie die zwei verschwinden. Als Devil schließlich die Hände von meinen Augen nimmt, frage ich: „Wann ist sie denn aufgetaucht?“ „Gestern Abend, du hast schon geschlafen, da kam sie.“, erklärt Zack. „Dabei fällt mir ein. Zack musst du nicht heute Arbeiten und Emma musst du nicht zur Schule?“, fragt Devil plötzlich. Erst da fällt mir auf, dass wir Donnerstag haben und ich wirklich zu Schule müsste. Schnell gucke ich auf die Uhr, wir haben halb zehn. „Hab frei.“, antwortet Zack gelassen. „Naja, lohnt sich nicht mehr zur Schule zu gehen.“, antworte ich, ich werde es wohl verkraften können, heute nicht zur Schule zu gehen. „Na dann.“ Devil zuckt mit den Schultern und geht rüber ins Wohnzimmer.
„Ich weiß du willst es vermutlich nicht hören. Aber du solltest wirklich mit deiner Mutter reden.“, wechselt Zack das Thema. Wie kann er das Thema jetzt schon wieder anschneiden, er weiß genau, dass ich das nicht will. Also gucke ich ihn einfach nur an. „Verdammt, ich weiß, dass du es nicht willst. Aber bitte. Du weißt, ich habe ein richtig behindertes Verhältnis zu meinen Eltern. Deshalb kann ich dir nur raten versuch es wenigstens. Vielleicht hilft es ja. Wenn es nicht funktioniert, hast du es wenigstens versucht.“, redet Zack einfach weiter. Ich weiß einfach nicht was ich dazu sagen soll.

Was ich noch weniger weiß, wie Zack mich schließlich doch dazu gebracht hat zu meiner Mutter zu fahren. Schweigend sitzen wir im Auto und hören Radio. Diesmal ist es nicht eines dieser angenehmen Schweigen wie sonst immer, es ist angespannt und schrecklich. Aber ich wüsste auch nicht wie ich es ändern könnte.

„Der Mond ist tot, es gibt kein Leben auf dem Mond, er ist kalt, auch wenn er strahlt, völlig leer und unbewohnt.“

Ich habe die ganze Zeit meinen Gedanken hinterher gehangen, und gar nicht auf die Musik gehört. Erst als diese Zeile des Liedes >der Mond< von Deichkind ertönt, kehre ich zurück in die Wirklichkeit. Ohne darüber nachzudenken schalte ich das Radio aus. Ich kann dieses Lied einfach nicht hören, es weckt nur schmerzhafte Erinnerungen an meine Schwester. Es ist gerade mal eineinhalb Jahre her, dass ich zusammen mit ihr auf einer Freizeit war. Vor dem Unfall. Auf der Freizeit wurde das Lied ständig gespielt, eigentlich hat uns das Lied einfach nur genervt, trotzdem haben wir immer mit gesungen, vor allem diese Stelle. Krampfhaft versuche ich die Tränen zu unterdrücken, aber ich schaffe es nicht. „Emma.“, beginnt Zack. Ich schüttle nur den Kopf, er soll mich jetzt einfach in Ruhe lassen. Wenn er etwas sagt, werde ich nur noch mehr heulen. Scheinbar versteht er was ich meine, denn er schweigt, nimmt nur meine Hand und fährt weiter.  Bei mir zu Hause parkt er am Straßenrand und sieht mich eine Weile an. Langsam kriege ich die Tränen unter Kontrolle und wische mir übers Gesicht. „Geht’s wieder?“, fragt er. Es ist gar nicht so lange her, als ich ihm von der Freizeit erzählt habe. Er weiß also ganz genau, was das Lied in mir bewegt. „Es tut mir leid. Ich habe nicht auf die Musik geachtet.“, murmelt er. „Alles gut. Wollen wir dann?“, frage ich. Ich möchte jetzt nicht darüber reden, reicht schon, dass ich mit meiner Mutter sprechen muss. „Soll ich mitkommen oder hier warten?“, fragt er vorsichtig. „Du kommst mit.“, bestimme ich und steige aus. Wieder schweigend gehen wir die Einfahrt hoch und ins Haus. Mum kommt sofort aus der Küche, als sie uns hört. „Emma. Wo warst du?“, beginnt sie. Ich bleibe einfach nur stehen und schweige. Soll Zack ihr erklären, warum wir hier sind. „Mrs Lewis, wir sind hier, weil ich finde, sie und ihre Tochter sollten reden. Vernünftig. Ich habe selber ein sehr schwieriges Verhältnis zu meinen Eltern und wünsche mir für Emma, dass es ihr nicht genauso geht wie mir.“, beginnt Zack. „Gut.“, antwortet meine Mutter schlicht und geht ins Wohnzimmer. Gut? Ich weiß immer noch nicht was ich sagen soll oder ob ich überhaupt etwas sagen will. Aber Zack nimmt mir die Entscheidung ab ob ich hier stehen bleibe oder nicht. Er zieht mich an der Hand hinter meiner Mutter her. Im Wohnzimmer, setzen wir uns schließlich auf das Sofa, Mum nimmt uns gegenüber auf dem Sessel Platz. „Ich weiß, dass es nicht leicht für dich ist, Emma. Aber für mich ist es auch nicht leicht.“, beginnt meiner Mutter und bricht damit das Schweigen. „Du bist Schuld, dass sie tot ist.“, unterbreche ich sie. „Meinst du das weiß ich nicht?“, antwortet sie. „Sie wäre noch am Leben, wenn du besser aufgepasst hättest. Meinst du, ich wüsste nicht, dass du bevor du los gefahren bist, noch mit deinen Freundinnen ein Glas Wein getrunken hast?“, werfe ich ihr an den Kopf. Sofort drückt Zack meine Hand etwas fester, als wollte er mir sagen ich sollte mich etwas zurück halten. Aber er ist doch der Grund warum ich hier bin, also soll er sich mal nicht so anstellen. Bei meinem Vorwurf wird meine Mutter rot, ob vor Scham oder Wut weiß ich nicht. „Ich weiß, ich hätte es nicht tun sollen. Das weiß ich. Seit dem Unfall vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht daran erinnere. Es ist meine Schuld, dass du deine Schwester verloren hast, und das tut mir so unendlich leid. Du hast jedes Recht wütend und enttäuscht zu sein. Ich würde alles tun, damit sie wieder hier wäre.“, sagt sie. Während sie spricht bricht ihre Stimme immer wieder. Ich sehe ihr an, dass es sichtlich schwer für sie ist, all das laut auszusprechen. Dabei fühle ich fast Genugtuung. Bin ich etwa schon so tief gesunken und verbittert? „Das du so leidest, das tut mir in der Seele weh. Ich merke wie sich deine Gefühle verändern, wenn ich komme.“, spricht sie weiter. Ich weiß nicht was ich noch sagen soll. Natürlich könnte ich ihr weiter unter die Nase reiben, dass ich es ihr nicht verzeihen kann, dass sie damals nicht besser aufgepasst hat. Aber genauso gut weiß ich, dass nicht sie alleine die Schuld trägt, immerhin hat der andere Autofahrer, der ihr rein gefahren ist, ja auch nicht aufgepasst. Trotzdem! Sie hätte besser aufpassen müssen, sie hätte den Unfall verhindern können. „Sag doch etwas. Emma, bitte. Ich tu alles, damit du dich besser fühlst. Was würde dir helfen?“, fleht sie. Dann bleibt wohl die Frage, was mir helfen würde mich besser zu fühlen?  „Abstand.“, sage ich. Es ist das Erste was mir einfällt. „Wie stellst du dir das vor? Möchtest du für eine Weile zu deinen Großeltern oder anderen Verwandten?“, fragt Mum. „Nein. Ich weiß es nicht. Ich will hier bleiben, bei meinen Freunden, auf der alten Schule.“, antworte ich. „Ich weiß, das ist vielleicht ein merkwürdiger Vorschlag, aber bei mir in der WG ist genug Platz. Emma könnte für eine Weile bei uns leben. Dann wäre sie in der Nähe und könnte weiter auf ihre Schule gehen.“, schlägt Zack vor. „Ich weiß nicht.“, gesteht Mum. „Mrs Lewis, ich liebe ihre Tochter wirklich. Ihr würde es gut gehen. Wir könnten es ja fürs erste einmal Probieren, und wenn es nicht klappt, kann man sich etwas anderes überlegen.“ „Meinetwegen, können wir es probieren. Aber bitte Emma, lass uns erst mit deinem Vater darüber sprechen. Bei so etwas können wir ihn nicht einfach übergehen.“, stimmt meine Mutter zu.