Heute, liebe Freunde des kreativen Schreibens, lesen wir einen

„Ausschnitt aus dem Tagebuch von einem älteren jungen Mann, dem es als Kind gelang, drei Eicheln anhand ihrer Form zu erkennen“ von Joscha M.!
Bevor es ein paar Informationen zu Werk und Autor gibt, noch ein schnell Hinweis. Unter diesem Beitrag besteht die Möglichkeit der Kommentarfunktion – wer also Lust hast den Autoren hier und da eine nette Rückmeldung zu hinterlassen, ist herzlich dazu eingeladen. Gleiches gilt natürlich für Facebook.

Nun zu Joscha M. und seinem Werk:

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Informationen zu Werk und Autor:
Warum hat Joscha an diesem Projekt teilgenommen?
„Eine Freundin hat mich neugierig gemacht“

Was hat ihm daran besonders gefallen?
„ Sich kreativ auszutoben“

Wo gab es Schwierigkeiten?
„ Die eigenen Erwartungen zu erreichen“

Wie sahen die ersten Schritte aus?
„ Einfach drauf los geschrieben“

Wie lange hat er an seinem Text gearbeitet?
„Netto: Ca. 210 Minuten“

Der Beitrag in einem Satz:
„Ausschnitt aus dem Tagebuch von einem älteren jungen Mann, dem es als Kind gelang, drei Eicheln an Hand ihrer Form zu erkennen“

 

Und hier noch einmal der reine Text, falls die Fotos zu unscharf sind:
„Ausschnitt aus dem Tagebuch von einem älteren jungen Mann, dem es als Kind gelang, drei Eicheln anhand ihrer Form zu erkennen“
Dienstag, 05. Oktober 2015
Liebes Tagebuch,
puh, erst mal wieder runter kommen, das war heute für mich ein sehr emotionaler Abend. Bevor ich mit der Tür ins Haus falle, beginne ich einfach chronologisch beim Anfang:
Am frühen Morgen stand ich wie gewohnt um 6:22 Uhr mit einem Lächeln auf. Ich muss dazu sagen, mein Wecker ist auch der Hammer. Ich war wohl zwölf Jahre alt, als ich durch einen Spielzeugladen trödelte und mir dieser Wecker sofort ins Auge stach. Der Wecker hatte die Form einer klassischen Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald, jedoch der aktuellen Zeit angepasst und mit einer Weckfunktion modifiziert. Diese Weckfunktion ist einfach die Jacobskrönung des Weckens. 6:22 Uhr, die Tür öffnet sich bei der Kuckucksuhr, es kommt ganz langsam eine wunderbar hübsche Hexe auf ihrem Besen herausgeflogen. Draußen angekommen, wird ein angebrachter Scheinwerfer von Sekunde zu Sekunde heller, die Farben werden schriller und schriller und dann ist es soweit, die Hexe streckt ihre rechte Hand aus, fährt schnell und betonend den Mittelfinger aus und sagt mit dem Ton einer Domina: „DU SPASTI, HOCH MIT DIR, ES WIRD ZEIT, DU MUSST PRODUKTIV WERDEN, ICH HABE MEINE ARBEIT GETAN UND FLIEGE NUN WIEDER HEIM.“ Anschließend dreht sich die Hexe, um wieder in der Kuckucksuhr zu verschwinden. Ein unter der Uhr angebrachter Ventilator startet zu dem Zeitpunkt, der Rock der Hexe erhebt sich und man bekommt das zu sehen, was einen ungefähr zwölfjährigen Jungen glücklich macht. Ich kann nicht genau sagen, warum ich diese Uhr noch immer in meinem Schlafzimmer hängen habe, vermutlich soll sie mich jeden Morgen daran erinnert, mein kindliches Ich weiterhin auszuleben und nicht in den beruflichen Trott plus Familienstress zu fallen, wie es die meisten früher oder später tun. Egal, was die anderen davon halten, mir gefällt es weiterhin. Anschließend ging es zur Arbeit, höchst motiviert war ich nicht, aber ein Lächeln hatte ich noch immer auf den Lippen „smile“-Emoticon So schön wie der Morgen war, so schlimm sollte der Abend werden…
Denn habe ich schon erwähnt, dass heute Dienstag ist und es ist nicht irgendein Dienstag, es ist der erste Dienstag im letzten Quartal des Jahres. Ich habe mich heute wieder mit meinen Freunden aus dem „Staubsaugerclub Bad Pyrmont“ getroffen, das machen wir jedes Jahr am ersten Dienstag im Oktober. Selbstverständlich stößt dieser Club in meinem Freundeskreis nicht immer auf offene Ohren, nicht selten wird er als „Sekte“, „Verbindung“ oder „Treffen der Doofy´s“ bezeichnet. Das hält mich aber nicht davon ab, da meine Freude beim Fachsimpeln über unsere „Saugis“ weiterhin ununterbrochen anhält. Zum Ende des Treffens im Oktober wird es immer wieder spannend, denn das „Goldene Rohr“ wird vergeben. Einfach so bekommt man nicht den Preis, vieles spielt eine Rolle dabei:
1: Geleistete Meter in den vergangenen zwölf Monaten (35%)
2: Gewicht des Gesaugten in Gramm (35%)
3: Aussehen (10%)
4: Aktueller Marktwert (15%)
5: Freunde bei Facebook (5%)
Ich persönlich habe mir große Hoffnungen auf das „Goldene Rohr“ gemacht, da ich wirklich mit meinen Daten sehr zufrieden war. Als es vorhin um 22.35 Uhr endlich soweit war, traf mich der Schock. Gewonnen hat mein Kumpel Silvio, mit dem ich mich auch privat ganz gut verstehe. Bei allem Respekt, aber was sein Staubsauger „Blasorchester 2222“ letztes Jahr alles gerissen haben soll, kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. 3500m?!?! Stellt der „Blasorchester 2222“ jeden Abend
auf ein Laufband?! 7589g?!?! Saugt der auch Fasanen, Backsteine oder Maulwürfe?!?! Und seine 698 Freunde bei Facebook glaube ich einfach nicht, der hat doch bestimmt diverse eigene Profile angelegt. Sorry, aber ich werde jetzt wieder so richtig sauer, mir reicht es wirklich.
Goodbye!!!!!!!!!!!!!! (Anmerkung der Redaktion: Das war englisch.)
Montag, 26. Oktober 2015
Liebes Tagebuch,
da bin ich wieder, nach dem letzten Eintrag brauchte ich einfach ein bisschen Zeit für mich. Das Thema ist nun aber für mich abgeschlossen. Silvio hat es einfach verdient gehabt, ich bereite mich jetzt schon für nächstes Jahr vor, denn das nächste „Goldene Rohr“ gehört dann mir „smile“-Emoticon
Nun aber zum Aktuellen: Ich hatte letzte Woche Urlaub und habe meinen Kumpel Fred in Bremen besucht. Was ich dort erlebt habe, ist für mich als altes Landkind schon ungewöhnlich. Hier geben sich morgens der Fuchs und der Hase noch die Hand, ist die Milch alle, gehe ich zum nächsten Euter auf die Weide und zapfe mir den nötigen Rest selbst. Höre ich Radio meinen Wohnort, ist ausrasten angesagt. Soll heißen, alles ist hier ganz ruhig, nicht zu viele Leute, jeder kennt jeden, hier werden sich vom Nachbarn noch Zucker und Eier ausgeliehen, nur um dann später zu hören, wie der Nachbarn einen aufgedrehten Hahn spielt, der mit der Eierproduktion seiner Henne nicht zufrieden ist. So haben die Erwachsenen auf dem Land ihren Spaß. Ich muss außerdem sagen, dass ich auch wirklich die Stadt meide, da ich mich in den großen Menschenmengen und bei den vielen fremden Leuten nicht wohl fühle. Naja, wir haben uns nachmittags bei Fred getroffen und bevor wir uns auf den Weg in die Innenstadt gemacht haben, tranken wir erst mal gemeinsam ein paar Bier, so fühlte ich mich stärker und selbstsicherer und wir konnten uns auf den Weg machen. Das erste Highlight war für mich, dass die Bahn Richtung Innenstadt alle zehn Minuten fuhr. Ich kenne das vom Lande, dass der Bus alle drei bis sechs Stunden fährt, dann natürlich nur in eine Richtung und auch nur dann, wenn es wochentags ist. Mittwochs zählt nicht mit, was aber nicht schlimm ist, da die Läden sowieso geschlossen haben. In der Bahn passierte mir dann ein Malheur. Ich sagte zu meinem Kumpel leicht angetrunken, dass der dunkelhäutige von uns Gegenüber bestimmt schwarz fährt. Das Bier sorgte nun aber leider dafür, dass das Flüstern nun nicht nur für die Ohren meines Nachbars verständlich war. Ich erfülle mich jetzt noch mit Scham, wenn ich an den Moment zurück denke, wie die einbeinige Oma und das frischverliebte Pärchen mich anschauten, als wenn ich vom Mond kommen würde. Ich hätte buchstäblich im Boden versinken können…
… Ausgestiegen in der Innenstadt, schwupp, eine Ampel. Ich kenne sie aus den Bilderbüchern im Kindergarten, aus Erzählungen von meinen Großeltern oder aus den Filmen von Hollywood. „Bei Rot muss ich steh´n, bei Grün darf ich geh´n.“ Das wusste ich noch Dank Rolf Zuckowski „wink“-Emoticon In den Seitenstraßen saßen viele Leute mit kaputter Kleidung, einer Wolldecke und zumeist einem Hund dabei. Scheiße, solche traurigen Anblicke bin ich nicht gewohnt, auf dem Land geht es vielen Hunden besser, als einigen Menschen in der Stadt, traurig stimmt mich das. Ich hoffte in dem Moment nur, dass ich eines Tages nicht so ins Tal der Hilflosigkeit abrutschen werde. Lange beschäftigte mich der Gedanke aber nicht, ich machte mit meinem Feuerzeug die nächste Buddel Pils auf. Wir steuerten direkt die nächste Bar an und ließen es uns bei diversen Pitschern gut gehen. Der Rest des Abends ist für mich nicht mehr klar zu Rekonstruieren. Kann mich nur noch an folgende Einzelheiten erinnern: Einen roten Regenschirm, Marge Simpson, ein Glas Senf und die Bedienung…
Do widzenia! (Anmerkung der Redaktion: Das war polnisch.)
Samstag, 31. Oktober 2015
Liebes Tagebuch,
heute in der Früh habe ich mich auf den Weg Richtung meiner Schwester gemacht, um mit ihr, einer guten Freundin und den Kindern einen naheliegenden Tierpark zu besuchen. Die Tiere dort waren leider nicht so wild, wie ich gedacht hatte. Die Ziegen waren mehr mit scheißen und chillen beschäftigt. Die Hirsche standen auch nur blöd herum, trotzdem war es ein netter Ausflug, auch weil ich viel neues an Informationen mitnehmen konnte oder wusstest du eines der folgen Fakten: 1. Schweine können nicht in den Himmel gucken. 2. Kaninchen lieben Lakritz. 3. Entenquaken erzeugt kein Echo. 4. Rotwild schläft höchstens fünf Minuten am Tag. Ein bissel Kultur kann also auch mir nicht schaden. Das hässlichste Tier des Tages wurde von mir auch noch gekürt, es hat gewonnen: Der ELCH! Der Erklärbär erzählte mir auch, mit welchen Tieren er verwand ist, dem konnte ich leider nicht zustimmen. Der Elch besteht nämlich klar aus den Tieren: HACK und FRESSE. Zum Mittagessen waren wir pünktlich zurück. Hmm, es gab Pfannkuchen, verdammt lecker, als Problem stellte sich für mich nur heraus, das ich mit dem Induktionsherd so meine Probleme hatte. Mein Essen sah mehr nach Labskaus aus, als nach Pfannkuchen. Geschmeckt hat es trotzdem. An diesem Samstag stand abends „Das Fass anstoßen“ auf dem Plan. Hmm, ebenso, sehr lecker.
Arrivederci. (Anmerkung der Redaktion: Das war italienisch.)
Freitag, 06. November 2015
Liebes Tagebuch,
rollt ein Keks um die Ecke, ist der Keks weg. Lustig geht anders, ich weiß. Trotzdem brachte ich diesen Spruch letztens nach dem Fußballtraining. Wollte ich nur mal so erwähnen „wink“-Emoticon In der letzten Woche ist bei mir nicht viel passiert, ich bin wieder zurück im Alltagstrott. Wie du weißt, arbeite ich im Kindergarten als Erzieher. Häufig spiele ich zusammen mit den Kleinen Fußball. Spaß ist das nicht immer, es wird häufig gegrätscht, geflucht, Gegenstände geschmissen, Pyros angezündet, der Schiri kritisiert und dann ist es leider wie so häufig, dass ich vor Spielende den Platz verlassen muss, weil mein eben genanntes Verhalten bei meinen Kollegen häufig auf wenig Verständnis trifft. Naja, das zu meiner Arbeit. Das Feiern fällt in meinem Alter inzwischen nur noch aufs Wochenende. Ich bin einfach nicht mehr so belastbar wie früher, da ging es häufig los oder es wurde mit den Geschwistern abends um die Wette getrunken bei diversen sinnlosen Sachen (100m Kuhreiten/ 200m Seilhüpfen/ im Kreis laufend die Nationalhymne rülpsen/ Wer kann mehr Gramm Salz auf einmal essen?/ Solange schaukeln, bis man sich den Kopf an der Decke stößt etc.). Ich bin einfach zu alt für diesen Scheiß äh Kram „frown“-Emoticon Mal schauen, was mich an diesem Wochenende erwartet…
Tot ziens. (Anmerkung der Redaktion: Das war holländisch.)
Sonntag, 08. November 2015
Liebes Tagebuch,
da schreibe ich dir vor zwei Tagen noch, dass ich zu alt für diesen Kram bin und dann wache ich gestern Morgen völlig besoffen in voller Nacktheit neben dem Misthaufen meines Nachbarn auf. Was war geschehen? Ich traf mich mit meinen drei Homies bei mir zu Hause zu ein paar Runden Doppelkopf. Einer meiner Kumpels hatte wohl mal wieder Lust sich abzuschießen und brachte verschiedenste Sorten an Alkohol mit. Von Runde zu Runde wurde es lustiger, die Karten immer
weniger zu erkennen und irgendwann sagte mein Kumpel aus dem Nichts: „Wer traut sich nackt zum Bauern zu gehen und dort mit einer Forke auf den Misthaufen zu stellen und zu schreien: „Ich bin der König der Welt.“ Wer sich das traut, bekommt 500€ und eine selbstgebastelte Krone von mir.“ Liebes Tagebuch, nun kannst mal raten, wer 500€ reicher ist und im Besitz einer einzigartig und selbstgebastelten Krone?! Ehre, wem Ehre gebührt „grin“-Emoticon
Au revoir! (Anmerkung der Redaktion: Das war französisch.)