Heute gibt’s einen Beitrag von Patrizia S.

10Words_Patrizia110Words_Patrizia210Words_Patrizia3

Hier ein paar Informationen zu Werk und Autorin:
Warum hat sie an diesem Projekt teilgenommen?
„Weil Charly mich gezwungen hat 😉 Nein, natürlich aus Spaß am Schreiben.“
 
Was hat ihr daran besonders gefallen?
„Die Idee ist echt gut und ich bin gespannt auf die Ergebnisse.“
 
Wo gab es Schwierigkeiten?
„In meinem Kopf bei der Ideenfindung :D“
Wie sahen die ersten Schritte aus?
„Ich hab die Wörter alle im Duden nachgeschlagen als Inspiration.“
 
Wie lange hat sie an ihrem Text gearbeitet?
„Insgesamt 2 Abende.“
Der Beitrag in einem Satz:
„Abgedrehte Geschichte aus der dunkelsten Ecke des menschlichen Verstandes.“
Was möchte uns Patrizia sonst noch über ihr Werk mitteilen?
„Ich hätte ihn gerne ausführlicher gestaltet, hatte aber nicht genug Zeit (Das lag aber an mir!).“
Und jetzt im Anschluss noch einmal der Text als Kopie:
Das Rot der Ampel zwang mich zu halten. Das konnte ich gerade gar nicht gebrauchen, denn ich
hatte es eilig. Wenn sie mich so früh am Morgen anriefen, bedeutete dies nie etwas gutes. Noch
immer war ich wie benebelt von der Müdigkeit- es war wirklich früh. Man konnte sogar noch leicht
den Mond am Himmel erahnen. Er war noch immer nicht ganz von der Sonne abgelöst worden. Wie
lange hatte ich eigentlich geschlafen? Vier Stunden? Ich war mit einem Fall beschäftigt, der mich
nicht in Ruhe ließ. Zunächst war ich verärgert, dass meine Kollegen gerade mich anriefen, ich hatte
immerhin schon genug zu tun und kam nicht voran. Als ich jedoch dort ankam, wo ich hin gerufen
wurde, wusste ich genau, warum ich involviert wurde.
Der Tatort glich sich zu großen Teilen mit dem, den ich vor gerade einmal drei Tagen untersuchen
musste. Direkt war mir und meinen Kollegen klar, dass es eine Verbindung geben musste. Wir hatten
es also mit einem Doppelmörder zutun und zwar mit einem verdammt cleveren, der es verstand,
Spuren zu beseitigen. Ich fragte mich, ob diese beiden Mädchen die einzigen Opfer bleiben würden.
Wenn ein Mensch gleich zweimal in so kurzer Zeit mordete, dann musste man davon ausgehen, dass
es nicht bei diesen beiden Morden blieb. Jetzt war ich so richtig unter Druck, denn ich konnte es nicht
ertragen, noch weitere Opfer zu riskieren. Ich musste diesen Mistkerl schnappen, und zwar lieber
gestern als morgen!
Die Befragung des Hundehalters, der die Leiche in den frühen Morgenstunden gefunden hatte,
brachte keine großartigen Erkenntnisse. Der Schock über den Fund stand ihm ins Gesicht
geschrieben. Er konnte nicht fassen, was er sehen musste und das konnte man ihm auch wohl kaum
verübeln. Welcher „normale“ Bürger sieht schon alltäglich eine Leiche? Und dann auch noch gleich
eine solche Leiche?
In beiden Fällen bot sich uns dasselbe Bild. Die Nacktheit der Mädchen war schon von weitem zu
sehen. Ihre Körper waren so hell, dass sie selbst in den noch dunklen Morgenstunden deutlich zu
sehen waren. Sie schienen buchstäblich zu leuchten. Beide Mädchen lagen auf dem feuchten
Waldboden, umrandet von ausgebrannten Kerzen. Sie waren beide blutjung und hätten ihre beste
Zeit noch vor sich gehabt. Augenscheinlich wurde ihnen das Leben auf dieselbe Weise genommen.
Tod durch…
…Pflock im Herz…
Ja, ein Holzpflock durchbohrte jeweils das Herz der Mädchen. Als wären sie…
…Vampire?
Ich lebte weder in Forks noch in Mystic Falls oder wie diese ganzen verdammten Vampir-Roman
Städtchen alle so hießen. Wir lebten hier in einer kleinen, unauffälligen Stadt und Vampire hatte es
hier- nein, hatte es generell- NIE gegeben! Wer glaubt schon an solchen Humbug?
Aber in der Pathologie lagen zwei junge, weibliche Leichen, die hingerichtet wurden, wie Vampire!
Ich hatte schon einmal davon gehört, dass es angeblich eine Vampir-Szene geben soll. Die Leute
treffen sich mit gleichgesinnten, trinken Blut, schlafen in Särgen und machen sicherlich viel mehr
Vampir-mäßige Dinge, die ich mir nie träumen ließe. Aber warum sollten sie gleichgesinnte töten
wollen? Auch wenn ich mir darauf keinen Reim machen konnte, ermittelte ich schon seit dem ersten
Mordfall in diese Richtung. Bislang aber ohne Erfolg. Einen vergleichbaren Fall hat es auch sonst
nirgendwo gegeben, also konnte ich mich auch nicht auf die Hilfe meiner Kollegen stützen.
Das Ergebnis der Pathologie warf ein völlig neues Bild auf die Fälle. Beiden Mädchen wurde der
Pflock post mortem durch die Brust gerammt. In ihrem Blut wurden hohe Dosen von
Betäubungsmitteln gefunden. Weil es keinerlei Einstichlöcher gab, konnte davon ausgegangen
werden, dass die Mittel oral in Form von Tabletten eingenommen wurden. Da keiner der beiden
Körper Kampfspuren aufwies, ging der Kollege der Pathologie davon aus, dass die Tabletten freiwillig
eingenommen wurden. Lediglich der Pflock konnte nicht eigenständig in ihren Körper eingebracht
worden sein. Dazu war eine enorme Kraft nötig, immerhin musste der Brustkorb durchstoßen
werden. Vielleicht ließ dies auf einen Mann als Täter schließen. Oder Helfer? Wenn sich jemand
umbringt und anschließend ein anderer bei einer Art ritueller Zeremonie mit Kerzenschein einen
Holzpflock durch das Herz stößt- ist derjenige dann Täter oder…Leichenschänder? Für solche
Überlegungen war keine Zeit. Ich musste mich auf die Suche nach einem oder mehreren Tätern,
Helfern, Schändern, was auch immer machen!
Die Identität der beiden Mädchen gab weiteren Anlass zum Rätseln. Sie waren unbekleidet und
trugen keinerlei persönliche Gegenstände bei sich und obwohl sie so jung waren und eigentlich noch
zu Hause leben müssten, schien sie niemand zu vermissen. Beide waren laut Pathologischem Befund
etwa sechzehn Jahre alt, ein Alter, in dem man schnell mal in die falschen Kreise abrutschen kann.
War das eine Möglichkeit? Beide betäuben sich, ließen sich aufspießen, wurden nicht
vermisst…vielleicht wurden sie von zu Hause rausgeschmissen? Und wurden deswegen nicht
gesucht? Auch wenn ich noch nie nachvollziehen konnte, wie Eltern ihr eigen Fleisch und Blut einfach
vor die Tür setzen und sich nicht mehr für es interessieren, ist mir solch ein Verhalten in meiner
Laufbahn schön öfter unter gekommen. Meist endete so etwas für die Kinder in einer Drogenkarriere
und nicht selten sogar im Drogentod. Aber ein derartiger Selbstmord war in einem solchen Fall neu.
Ich kam zu dem Schluss, dass beide Mädchen an denselben falschen Kerl geraten sein mussten, der
ihnen vermutlich einredete, dass ihr Leben nicht mehr lebenswert sei. Warum sonst, sollten sich die
beiden Mädchen auf dieselbe Weise das Leben nehmen lassen?
Der Fall machte mir Kopfschmerzen und ich fühlte mich überfordert, weshalb ich meine Kollegen
stärker mit einbezog. Ich war nicht mehr so belastbar wie früher und musste mir eingestehen, dass
ich nicht mehr alles alleine schaffen konnte. Wir beschlossen, die nächsten Nächte vermehrt Kollegen
durch abgelegene Waldstücke zu schicken, um Ausschau zu halten. Wir wussten ja nicht ob es bei
den beiden Mädchen bleiben sollte.
Auch ich übernahm eine Nachtschicht. Ich deckte mich mit einer Kanne voll mit dem stärksten Kaffee
ein, den ich jemals gekocht hatte und schlenderte mehr oder weniger wachsam durch ein kleines
Waldstück abseits der Stadt, mit geladener Waffe und Funkkontakt zu den Kollegen auf der Wache.
Als ich merkte, dass der Kaffee wieder seinen Weg nach draußen suchte, ging ich etwas tiefer in den
Wald hinein um meine Notdurft an einem Baum zu verrichten. Ich ließ meinen Blick schweifen und
entdeckte zwischen den dürren Bäumen eine Lichtung, auf der ich meinte Kerzenlicht zu sehen. Ich
schlich mich langsam an die Stelle, darauf bedacht so wenig Lärm wie möglich zu machen, was bei
derart zahlreichen Ästen, die unter meinen Füßen zerbrachen, kaum möglich war. Immer wieder hielt
ich an um die Geräusche verhallen zu lassen. Doch als ich ankam, sah ich, dass meine Bemühungen
umsonst waren. Ich wurde bemerkt. Ein schwarzer Schatten huschte aus meinem Blickfeld und
hinterließ ein blasses, nacktes von Kerzen umrandetes Mädchen zurück. Zu meinem Glück sah ich,
dass für dieses Mädchen vielleicht noch nicht alles vorbei war, denn der Schatten hatte durch mein
Auftauchen keine Gelegenheit gehabt, ihr den Holzpflock durch die Brust zu stechen.
Auch dieses Mädchen hatte zuvor Unmengen an Betäubungsmitteln zu sich genommen. Im
Krankenhaus wurde ihr der Magen ausgepumpt, doch ihr Zustand war kritisch. Sie lag mehrere Tage
auf der Intensivstation und war nicht vernehmungsfähig. Doch sie war mein einziger Anhaltspunkt in
diesem Fall. Sie war die entscheidende Zeugin, die zu dem Täter führen und dem Treiben ein Ende
setzen konnte. Als sie endlich bei Bewusstsein war und ich sie vernehmen konnte, wurde mir klar,
dass sie mich für den eigentlichen Übeltäter hielt. Sie beschimpfte mich, da ich ihren Plan
durchkreuzt und ihr das Leben gerettet hatte. Ein Leben, das sie sich nehmen wollte, weil es ihr zur
Last geworden war. Ich konnte in ihrem Blick Scham und verletzte Ehre lesen. Das hatte ich mir
irgendwie anders vorgestellt, immerhin wollte ich ihr doch helfen. Ich erklärte ihr, was für ein Glück
sie gehabt hat, dass ich ihr zur Hilfe gekommen bin und dass sie doch professionelle Hilfe in Anspruch
nehmen könne um wieder auf einen geraden Weg zu kommen. Doch ihre Antwort darauf ließ mich
erschüttern: „Glaubst du scheiß Bulle ernsthaft, du könntest mir helfen? Niemand kann mir helfen!
Ich bin verdammt! Auf alle Ewigkeit. Und wenn ich mich nicht töte, dann seid ihr auch verdammt. Er
wollte mich doch nur erlösen und euch retten. Schnallst du das nicht?“ Ich schnallte es nicht. Wer ist
er und warum sind wir verdammt und was bitte versucht dieses unschuldig aussehende Mädchen mir
zu vermitteln? „Er ist der Erlöser und du hast ihn vertrieben! Er kommt nie wieder zurück zu mir, ich
habe meine Chance vertan und du bist schuld! Du elendiger Bulle! Ich bin Verdammt! Verdammt!!!“
Ich kam mir vor, wie in einem schlechten Film, aber es war die Realität. Was ist in dieses Mädchen
gefahren? Ich habe nie an Exorzismus geglaubt, aber vielleicht wäre es jetzt an der Zeit es zumindest
mal zu versuchen?
„Du bist verdammt, okay. Ich bin ein verdammter Bulle, okay. Aber ich verstehe nicht…“, versuchte
ich ihr zu entgegnen, doch sie unterbrach mich. „Natürlich verstehst du nicht. Du bist ein dummer
Bulle. Du weißt nichts von uns. Du glaubst nur, was du siehst, aber da gibt es noch mehr. Da gibt es
uns, die töten müssen um zu leben! Aber ich will nicht töten. Ich will nicht leben! Und du bist schuld,
dass ich jetzt töten muss…ich muss… ich brauche BLUT!“ Wie eine Verrückte sprang sie auf mich und
wollte mir an die Kehle. Aus irgendeinem Grund schien dieses kleine, zierliche, blasse Mädchen zu
glauben, sie sei ein Vampir. Allmählich dämmerte mir, was hier vor sich ging. Ich stieß sie weg und
entfernte mich aus dem Zimmer. Krankenschwestern eilten herbei und fixierten das Mädchen.
Offensichtlich wurde diesem armen Kind eingeredet, es sei ein blutsaugendes Wesen, welches nicht
leben dürfe. Mit was für einem perversen Schwein hatte ich es hier eigentlich zu tun? Er gabelt
irgendwo perspektivlose Mädchen auf, die im besten Falle drogenabhängig und leicht zu
manipulieren waren um seine kranken Fantasien ausleben zu können? Die Frage war, wie vielen
Mädchen er noch eine Gehirnwäsche verpasste um sie für sich zu gewinnen. Wie konnte er mir nur
durch die Lappen gehen? Ich hatte ihn beinahe gehabt.
Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich nie wieder so nah an ihn ran kommen würde, wie damals…